Montag, 23. Januar 2017

Rezension: David Garnett - Mann im Zoo

OT: A man in the zoo
Übersetzung: Maria Hummitzsch
Preis Ebook: 12,99 €
Preis Hardcover: 17,00€
Seitenanzahl: 160 Seiten


Verlag: Dörlemann
ISBN: 978-3038200406
Erscheinungsdatum: 23. Januar 2017
Genre: Roman
Reihe: Einzelband
 

Klappentext John Cromartie besucht mit seiner Freundin Josephine Lackett den Zoologischen Garten, dabei kommt es zu einem Streit. Josephine hält John seine »atavistischen Ansichten« vor und meint, er gehöre selber in den Londoner Zoo. Gesagt, getan: Kurzerhand schreibt Cromartie einen Brief an die Zoo-Direktion, seiner Bitte wird entsprochen und er zieht bald darauf in einen geräumigen Käfig im Affenhaus. Seine beiden Nachbarn, ein Schimpanse und ein Orang- Utan, sind alles andere als begeistert und würden den neuen Mitbewohner, vor dessen Käfig die Leute in langen Schlangen stehen, vor lauter Eifersucht am liebsten in der Luft zerreißen ...

Die Geschichte beginnt mit einer Auseinandersetzung zwischen John Cromartie und seiner Geliebten Josephine Lackett. Irgendwann vergleicht die aufbrausende und wankelmütige Josephine John mit einem wilden Tier. Er solle sich ausstellen lassen, schimpft sie im Wahn, woraufhin er ihr versichert genau dies zu tun. Und so kommt es dann auch. John schreibt einen Brief an den Zoo und schenkt sich zur Ausstellung. Sein neues Zuhause ist ein Käfig, menschengerecht eingerichtet mit einem Tisch, einem Stuhl und jede Menge Büchern. Seine Nachbarn: Eine Orang-Utan-Dame und ein Schimpanse. Die Ausstellung des Menschen ist ein wahrer Erfolg, auch wenn sie zunächst für einige Diskussionen sorgt.

"Die armen Tiere, sie müssen ihre Schönheit teuer bezahlen", sagte John nach einer Pause. "Was nur unterstreicht, was ich gesagt habe. Die Menschen wollen alles Schöne einfangen und wegsperren, um dann in Scharen herbeizueilen und mit anzusehen, wie es nach und nach verendet. Darum ist es besser, man versteckt sein wahres Ich und lebt verborgen hinter einer Maske." (S. 14)

Der Schreibstil von David Garnett ist angenehm zu lesen und unglaublich unterhaltsam. Der Autor hat einen amüsanten Humor, der mich mehrfach zum Lachen brachte. Die Leichtigkeit, mit der er die schnell aufbrausende und flatterhafte Josephine sowie den leidenden, verliebten John charakterisierte, gefiel mir unheimlich gut. Wie David Garnett die Gefühle eines Weggesperrten umriss, empfand ich als sehr gelungen. Oftmals in nur kurzen Sätzen erwähnt, regte mich dies zum Nachdenken an. John hält die ständigen Besucher an seinem Gehege im Verlauf der Geschichte immer schlechter aus. Wie es da den wilden Tieren, die deutlich weniger artgerecht gehalten werden gehen muss, lässt sich zwischen den Zeilen, aber auch in vielen Andeutungen lesen. Der Unterschied zwischen Mensch und Tier - Gibt es den überhaupt? So sind Johns Nachbarn eifersüchtig, dass erst mit seinem Einzug ins Affenhaus, die Besuchermassen nicht abreissen. Vor allem der traurige Karakal wurde meines Erachtens perfekt beschrieben. Insbesondere die Verbundenheit zu diesem kleinen Freund war schön zu lesen. Wie gerne hätte ich jetzt auch einen Karakal!

Mit Johns Einzug in den Zoo ist der Streit zu Josephine noch lange nicht abgehakt. Er will sie nicht mehr sehen, sie kommt trotzdem. Sie fühlt sich gedemütigt und sieht ihre Schuld im nächsten Moment ein. Sie entschuldigt sich um kurz darauf erneut los zu schimpfen.

"Du verbietest mir zu kommen! Hast du denn nicht begriffen, dass du hier ausgestellt bist? Jeder, der einen Schilling bezahlt, hat Zutritt zum Affenhaus und kann dich den ganzen Tag über anstarren. Deine Gefühle brauchen uns nicht zu kümmern; das hättest du früher bedenken sollen. (...)" (S. 95)

Die Streitereien der beiden las ich sehr gerne. Josephine weiß schlicht und ergreifend nicht was sie will und genau das machte sie und ihr Verhalten an manchen Stellen so komisch. Doch auch John mit seinem Dickkopf, brachte mich einige Male zum Lachen.

Fazit: Eine kurzweilige und unterhaltsame Geschichte, die ich auch aufgrund des tollen Schreibstils sehr gerne gelesen habe und wieder lesen werde.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen